Vortrag über Heraldik (Wappenkunde)

Der Heraldische Verein ZUM KLEEBLATT zu Gast in Höver

Es war ein sehr komplexes Thema, zu dem die Mitglieder des Heraldischen Vereins ZUM KLEEBLATT von 1888 zu Hannover e.V. auf Einladung der Heimatbundgruppe „Unser Höver“ Ende Januar 2010 im Vereinsheim der Schützengesellschaft Höver vortrugen. Fünf Mitglieder des Heraldischen Vereins, unter ihnen auch der Vorsitzende, Horst-Gunter Ratzke, informierten in der trotz des winterlichen Wetters mit 60 Personen gut besuchten Veranstaltung fachkundig über das Wappenwesen.

Nach der Begrüßung durch Ernst Köhler, dem Vorsitzenden der Heimatbundgruppe, stellte Herr Ratzke zunächst den 1888 gegründeten Heraldischen Verein ZUM KLEEBLATT vor. Der als gemeinnützig und wissenschaftlich förderungswürdig anerkannte Verein kann auf eine über 120 Jahre lange erfolgreiche Facharbeit im norddeutschen Raum zurückblicken und seine Mitarbeiter sind für die Entwürfe vieler Wappen verantwortlich. Dazu gehören u. a. der von Gustav Völker gefertigte Entwurf für die offizielle Ausführung des Landeswappens von Niedersachsen (springendes silbernes Ross im roten Felde) sowie die von Carl Wenzel und Alfred Brecht gefertigten Entwürfe für die meisten Wappen der Ortschaften der Stadt Sehnde.

Seit der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts gibt es Wappen. Sie erfüllen eine kennzeichnende und auf Fernwirkung abzielende Funktion. Was in der Ritterzeit als Erkennungszeichen begann, entwickelte sich schnell zu einem Bestandteil auch des zivilen Lebens. Die Wappen wurden im Mittelalter bald erblich und in Siegeln aufgenommen. Dadurch ging der Wappengebrauch auch auf andere Bevölkerungsteile über. Wappen vertraten nun symbolisch ebenso Handwerker, Kaufleute, Familien, Frauen, Geistliche, Bürger und Körperschaften wie Städte, Bistümer und Klöster. Wappen sind daher, wie der Jurist und Heraldiker Dieter Müller-Bruns aus Hannover erläuterte, an vielen Stellen in unserem täglichen Umfeld zu finden und werden sogar wissenschaftlich erforscht. Die Heraldik ist eine Hilfswissenschaft der Geschichte mit den Bereichen Wappenkunde, Wappenkunst und Wappenrecht.

In Deutschland kann sich jeder Bürger ein eigenes Wappen zulegen. Eine Wappenverleihung gibt es heute nicht mehr. Auch wenn bei einem sog. Vollwappen mit Schild, Helm, Helmzier, Decken und Krone oder Wulst sowie bei den verwendeten Farben und Metallen vorgegebene Regeln streng einzuhalten sind, so hat der Stifter eines Wappens gleichwohl noch viele Gestaltungsmöglichkeiten für ein eigenes Familienwappen. Dieses darf dann nur vom Stifter und seinen Nachkommen geführt werden, solange sie den Familiennamen führen. Namensgleichheit bedeutet jedoch nicht Wappengleichheit. Die Gleichheit des Familiennamens berechtigt also nicht automatisch zur Führung des Familienwappens einer anderen namensgleichen Familie. Dieser Hinweis ist wichtig, da besonders die Wappen- und Familienforschung nicht selten zum Gegenstand von unseriösen Geschäftemachern wird.

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Herr Dr. Rabbow bei seinem Vortrag

Viele der in unserer Gegend vorkommenden Wappen haben den Löwen als Wappenfigur. So auch die Wappen der Welfen. Der bekannte Publizist und Heraldiker Dr. Arnold Rabbow aus Berlin zeigte hierzu anhand verschiedener Wappenbeispiele die Verbindung der Welfen zum englischen und dänischen Königshaus auf. Der welfische Löwe findet sich auch im Wappen des „Großen Freien“. Im Jahr 1897 bekundete der Heraldische Verein ZUM KLEEBLATT in seiner Fachzeitschrift ein entsprechendes Siegel von 1492, das sich Ende des 19. Jahrhunderts im Staatsarchiv in Hannover befand. Der Verein hat damals beschlossen, nach diesem Siegel eine mustergültige Zeichnung anfertigen zu lassen, damit in Zukunft das Wappen der Freien in richtiger Form dargestellt wird. Das Wappen des "Großen Freien" ist auch heute noch an einigen Häusern in Höver zu finden.

Fast alle Orte im "Großen Freien", über das zu Beginn der Veranstaltung in einem kurzen Film informiert worden war, führen noch heute in ihrem Wappen im einen aufrechten blaubewehrten und -bezungten goldenen Löwen im roten Feld. Die Wappenschilde sind meist geteilt und zeigen in der unteren Hälfte überwiegend die Wappen von Familien, die einen besonderen Bezug zu der jeweiligen Ortschaft hatten. Im Wappen von Höver sind neben dem Löwen allerdings drei Eichenblätter zu finden. Diese weisen auf das große Waldgebiet hin, das Höver einstmals umgab. Die Kommunalwappen im "Großen Freien" sowie mehrere alte Familienwappen wurden von Herrn Müller-Bruns für jede Ortschaft einzeln erklärt.

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Das Wappen der Freien - Wappenzeichnung des Heraldischen Vereins ZUM KLEEBLATT in den „Heraldischen Mitteilungen“ von 1897

Heraldik hat aber auch ihre Tücken. Von den interessierten Zuhörern gab es den Hinweis, dass einige der Ortswappen in der Vergangenheit in Wappenbüchern verfälscht dargestellt wurden. Dies sorge häufig für Verwirrungen. Der Referent bedankte sich für die aufmerksame Mitarbeit der Anwesenden und versprach, dem Hinweis nachzugehen.

Familienwappen haben immer einen Bezug zu konkreten Personen. Darum gibt es die Möglichkeit, das eigene Wappen in einer anerkannten Wappenrolle registrieren zu lassen. Mit der Abschaffung der Heroldsämter als Adelsbehörden verschwand 1918 der letzte staatliche Einfluss auf die private Wappenführung und -registrierung in Deutschland. In einigen ausländischen Staaten bestehen aber noch heute staatliche Einrichtungen, die für die Ordnung des Wappenwesens zuständig sind. In Deutschland wurde die Pflege der Familienheraldik nunmehr vorrangig durch die bereits im 19. Jahrhundert gegründeten heraldischen Fachvereine wie den 1888 gegründeten Verein ZUM KLEEBLATT in Hannover und seinen Schwesterverein HEROLD in Berlin wahrgenommen. In die von ihnen geführten Wappenrollen kann jeder Bürger sein überliefertes oder neu angenommenes Familienwappen eintragen lassen. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um eine Art amtliche Tätigkeit. Sinn und Zweck der anerkannten Wappenrollen ist die Dokumentation der geführten Familienwappen. In den von der deutschen Heraldik beeinflussten Ländern gab es jedoch nie ein zentrales "Hauptwappenregister", zumindest soweit es bürgerliche Wappen betrifft. Wappensammlungen geben daher immer nur einen Teil der früher oder heute existierenden Wappen wieder.

Bereits im Jahr 1906 war für den Heraldischen Verein ZUM KLEEBLATT ein prachtvolles Stammbuch angelegt worden, in das alle Familienwappen der Mitglieder aufgenommen werden sollten. Hieraus entstand die Niedersächsische Wappenrolle (NWR). Hatte der Fachverein zunächst nur für seine Mitglieder eine Wappensammlung angelegt, so war für die Eintragung eines Familienwappens in die Niedersächsische Wappenrolle eine Mitgliedschaft nicht mehr erforderlich. Voraussetzung für eine Eintragung ist das Bestehen eines Familienwappens. Bei neuen Wappen bedarf es der (formlosen) Annahme des von einem Heraldiker oder selbst entworfenen Wappens. Es bedarf dabei keiner behördlichen oder gerichtlichen Mitwirkung. Der Wille zur Wappenführung muss jedoch klar zum Ausdruck kommen. Die Annahme bzw. Stiftung eines Familienwappens stellt eine einseitige Rechtshandlung dar, die einer hinreichenden Publizität bedarf, um wirksam werden und einen etwaigen Prioritätsanspruch gegenüber Dritten rechtlich durchsetzen zu können.

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Die Vertreter des Heraldischen Vereins ZUM KLEEBLATT und der Vorsitzende der Heimatbundgruppe "Unser Höver" Ernst Köhler.
Hans-Peter Dege, Dr. Volkmar Tönnies, Dieter Müller-Bruns, Ernst Köhler, Dr. Arnold Rabbow und Horst-Günter Ratzke (von links nach rechts)

Der Führer der Niedersächsischen Wappenrolle, Horst-Gunter Ratzke, wies darauf hin, dass der Wappenausschuss einer anerkannten Wappenrolle immer prüft, ob die strengen Regeln der Heraldik eingehalten werden und der Antragsteller berechtigt ist, dieses konkrete Wappen zu führen. Viele Anträge müssen deshalb auch abgelehnt werden. Der Heraldische Verein ZUM KLEEBLATT veranstaltet im Rahmen seiner ehrenamtlichen Tätigkeit neben hilfreichen Hinweisen im Internet (www.zum-kleeblatt.de) regelmäßig Wappenberatungen. Das Angebot, nach den Fachvorträgen in Höver über einzelne Wappen zu sprechen, wurde dann auch von mehreren Besuchern freudig angenommen. Die Veranstaltung entwickelte sich so zu einem interessanten Spaziergang durch die Heraldik.